Sozialpsychologische Aspekte von Computermediierter Kommunikation

In der Offline-Session der Einheit 5 ging es um sozialpsychologische Aspekte computermediierter Kommunikation. Ein einem ersten Teil des Treffens haben wir zentrale Aspekte, die im Grundlagenartikel von Kiesler et al. genannt sind kurz zusammengefasst:

Zeit- und Informationsdruck: Viele Personen erwarten aufgrund der Verfügbarkeit von elektronischen Kommunikationsmitteln, die einen einfachen und schnellen Austausch ermöglichen, von anderen Personen eine sofortige Antwort, unabhängig von Zeit und Ort.

Fehlende Nonverbale Rückmeldung: Durch das Fehlen nonverbaler Kommunikation (Kopfnicken, Lächeln, Augenkontakt, etc.), die es bei traditionellen Kommunikationsformen gibt, bei CMC kann es zu ineffizienter Kommunikation kommen. Die Möglichkeit, die Stimme des anderen zu hören oder ihm in die Augen zu sehen, ändert beispielsweise die Art und Weise, wie Abmachungen ausgehandelt werden oder ob es  Abmachungen wirklich stattfinden. Der Grund ist, dass den Benutzern dadurch auch wichtige Informationen zur Regulation, Veränderung und Kontrolle während des Informationsaustauschs fehlen.

Status und Macht: Bei der computervermittelten Kommunikation kann die (vertikale) Hierarchie in sozialen Beziehungen und Organisationen leichter verschwimmen, denn Status, Macht und Prestige werden in keiner Form (auch nicht nonverbal) kommuniziert. Dadurch kann es sein, dass Menschen mit hohem Status weniger Einfluss haben  und die Gruppenmitglieder eher gleichgestellt an der Computer-Kommunikation teilnehmen können.

Anonymität: Bei der CMC weiß ich nicht immer, wer das Publikum ist, für das ich schreibe, da es für mich nicht direkt wahrnehmbar ist. Dadurch kann die Kommunikation unpersönlicher werden. Außerdem kann es zu unfreundlicheren und ungehemmteren Reaktion als Antwort auf eine Mail kommen, da mir nicht bewusst ist, dass ich für eine reale Person schreibe und nicht für den Computer.

Fehlende soziale Normen: Es gibt bei der CMC noch keine vorgefertigten sozialen Normen oder eine Etiquette. Die bestehenden Normen haben sich durch die Nutzer ergeben und überschreiten oft konventionelle Grenzen (z.B. die Abgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit) durch die unbeschränkten Möglicklichkeiten der CMC. Grenzen der Privatsphäre und der angebrachten sozialen Interaktion werden in der CMC oft sehr einfach überschritten, Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Wir haben dann in einem nächsten Schritt versucht, die Aspekte auf die Kommunikation in Facebook anzuwenden. Hier in Kurzform unserer Diskussionspunkte:

Zeitdruck- und Informationsdruck: Wer nicht bei Facebook ist oder nicht regelmäßig online ist, läuft Gefahr wichtige Informationen zu verpassen.
  • Druck wird durch mobile Geräte und die Möglichkeit sich bei Neuigkeiten per Mail informieren zu lassen gesteigert.
  • Aber auch Entlastung, sich alles selber merken zu müssen durch die Verfügbarkeit eines Netzwerkes.
  • Lösung sind “Verhaltensregeln” im Umgang mit Facebook, z.B. im Urlaub nicht online sein zu müssen, am WE gezielt ausschalten.

Nonverbale Kommunikation: Facebook bietet verschiedene Möglichkeiten, die Kommunikation anzureichern.

  • “Like-Button” in Facebook macht Kommunikation persönlicher
  • Herzchen / Hai / Pinguin in Facebook zur Anreicherung schriftlicher Kommunikation
  • Smilies im Chat
Status vs. Macht: Facebook bietet andere Wege, Status/Macht sichtbar zu machen.
  • Freunde, Likes, Retweets als Hinweis auf Status und Macht.
  • Die Kommunikation wird weniger voreingenommen, wenn Status nicht erkennbar ist.
  • Allerdings weiß ich in Facebook oft ohnehin, mit wem ich kommunizieren, dann gibt es kaum Unterschiede zwischen CMC und FTF in Bezug auf Einflüsse von Status und Macht.
Anoymität: Facebook lässt mir die Freiheit zu entscheiden, ob ich anomym kommunizeren will oder nicht.
  • Face to Face kann ich nur schwer anonym kommunzieren.
  • Statusmeldungen und das Profil enthält viele Informationen über den Kommunikationspartner. Diese Informationen können gezielt gesteuert werden.
  • Anonmität ist frei wählbar.
  • Profilbild / Selbstdarstellung ist frei wählbar / adaptierbar
  • Listeneinstellungen: Wem sage ich was?
Normen: Normen in Facebook sind nicht explizit und entwickeln sich erst über die Zeit.
  • Normen sind noch ziemlich individuell, z.B. viel vs. wenig posten, Privates posten …
  • Welche Freundschaftsanfragen darf man ablehnen?
  • Gratuliert man bei Facebook zum Geburtstag?

Der Text von Kiesler et al. ist schon einige Jahr alt, die Autoren hatten beim Schreiben weder Facebook, noch google+ etc. im Kopf hatten. Trotzdem gibt der Text einen guten Überblick über wesentliche “weiche” Aspekte der Kommunikation im Web. Wer möchte weitere Aspekte ergänzen?

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2 Gedanken zu “Sozialpsychologische Aspekte von Computermediierter Kommunikation

  1. Mich interessiert bei der CMC alias CMK (Computervermittelten Kommunikation) besonders die Möglichkeit, Personen ein Kommunikationsangebot zu machen, ohne mich ihnen aufzudrängen.
    Darin sehe ich z.B. den Vorzug von E-Mail gegenüber Telefon. Der Leser bestimmt den Zeitpunkt, wann er kommuniziert, und die Zeitdauer.
    Blogkommunikation hat gegenüber der Mail noch den Vorzug, dass sich niemand angesprochen zu fühlen braucht.
    Noch besser ist in dieser Hinsicht ein Wiki wie Wikipedia. Es wird wirklich nur für einen potentiellen Bedarf produziert.
    Offenbar habe ich aber doch auch ein Interesse daran, Aussagen zu machen, die nicht in ein Lexikon gehören, sonst würde ich nicht bloggen, geschweige denn in Blogs kommentieren. Also ist mir die Möglichkeit, Ansichten äußern zu können, doch wichtiger, als mich möglichst wenig aufzudrängen.

  2. Pingback: Fünf. Aus. Job als Patin beendet. | Avacoach

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