Kollaborationsskripte 2 – Kommunikation zwischen ‘Innen’ und ‘Außen’

„Ihr wisst gar nicht wie viel ihr wisst.“*

Wie wahr. Schließlich war den meisten von uns Studenten beim ersten Lesen des Begriffs „Collaboration Script“ nicht klar, dass es sich dabei um einen alten Bekannten aus der ‚Lernen und Gedächtnis’ Vorlesung handelt.

Unser alter Bekannter ist das ‚Skript’, eine Repräsentation von Handlungsabläufen, die in unserem Gehirn gespeichert ist und die hilft in (sozialen) Situationen richtiges Verhalten zu zeigen. Ein berühmtes Beispiel ist das Restaurant-Skript. Wir verstehen den Satz „Michael ging ins Restaurant und aß ein Steak“, weil wir ein Skript haben, das den Ablauf einer solchen Handlung beschreibt:

  • (1) Restaurant betreten
  • (2) Sich vom Kellner an einen Tisch führen lassen
  • (3) Kellner bring Speisekarte
  • (4) Gericht aussuchen

Kollaborationsskripte sind – wie der Name schon sagt – Skripte, die die Zusammenarbeit zwischen mehreren Beteiligten regeln. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass es in Gruppenarbeiten oft zu ineffizientem Verhalten kommt: Die Mitglieder der Gruppe beteiligen sich nicht gleich stark, es findet (fast) nur low-level Argumentation statt und häufig sind die Beteiligten am Ende nicht auf dem gleichen Wissensstand.

Um diesen negativen Auswirkungen der Kollaboration entgegenzuwirken haben verschiedene Forschergruppen externe Kollaborationsskripte entwickelt. Diese Skripte sollen die Zusammenarbeit effektiver machen und garantieren, dass am Ende alle ungefähr das gleiche Wissen aufgenommen haben.

Kollar, Fischer und Hesse (2006) untersuchten die Gemeinsamkeiten dieser Kollaborationsskripte und stellten fest, dass alle Skripte die folgenden Komponenten beinhalten:

  1. Ziele (learning objectives)
  2. (Lern-)Aktivitäten (type of activities)
  3. Reihenfolge (sequencing)
  4. Rollenverteilung (role distribution)
  5. Repräsentationsformat (type of representation)

Während der Offline-Verantstaltung haben wir versucht auf dieser Grundlage Kollaborationsskripte für offene Formate, wie den Open Online Kurs, zu erstellen.

In Kleingruppen wurden die Folgenden Fragestellungen bearbeitet:

  • Wie schreibt man einen Blog?
  • Wie liest man einen Text und Twittert gleichzeitig?
  • Wie sieht die Kommunikation zwischen Innen und Außen aus?

Das Kollaborationsskript der letzten Kleingruppe sieht so aus:

  • Ziel: Effektive Kommunikation, voneinander Lernen
  • Aktivitäten: Seminar besuchen, Blog schreiben, sich an Diskussion beteiligen, twittern, Videokonferenz besuchen…
  • Reihenfolge: unterscheidet sich je nach Teilnehmer (Studenten vs. Teilnehmer von außen) und Medium
  • Rolle: variabel/abwechselnd
  • Repräsentation: Text, Video, Ton, Face-to-face (nur in offline Veranstaltungen bzw. unter einzelnen Teilnehmern)

Im Vergleich zum Skript der zweiten Gruppe (http://ocwl11.wissensdialoge.de/gruppenarbeit-kollaborationsskript-textlesen-und-verstehen-und-twittern/) sieht man gleich, dass wir bei der Reihenfolge keine klaren Anweisungen gemacht haben. Das liegt daran, dass viele Kommunikationsvorgänge asynchron ablaufen oder nur für einen Teil der Gruppe zutreffen (z.B. während der offline Veranstaltung).

Diese und ähnliche Beobachtungen aus den anderen beiden Skripten werfen einige ungelöste Fragen auf: Wie kann man mit asynchronen Skripten umgehen? Wie adaptiv kann ein Skript sein? Wenn eine Situation sehr adaptiv ist, gibt es dann überhaupt noch ein Skript?

 

*Bin mir leider nicht mehr sicher, ob dieses Zitat von mons7 oder von Johannes stammt.

Literatur: Kollar,I., Fischer, F. & Hesse, F.W. (2006): Collaboration scripts – a conceptual analysis. Educational Psychology Review.

6 Gedanken zu “Kollaborationsskripte 2 – Kommunikation zwischen ‘Innen’ und ‘Außen’

  1. Pingback: Kollaborationsskripte-_Inhaltliche Rückmeldung des Praesenzseminars_ocwl11-Teil1 | CROSS-MEDIA-KOMMUNIKATION-BLOG

  2. Ich fühle mich wie in der letzten Bank, wo ich beim Unterricht nicht genügend aufgepasst habe, zum Glück aber meine Nachbarn fragen kann. Dankeschön für die Hilfen!
    Trotzdem habe ich noch Fragen:
    Eben habe ich noch gelernt, dass ein Skript Wissen ist. Jetzt ist es “eine Repräsentation von Handlungsabläufen”. Weiter unten lese ich, dass “Text, Video, Ton, Face-to-face” Repräsentationsformate sind. Was aber ist eine Repräsentation?
    Es fällt viel leichter, sich auf ein Thema einzulassen, wenn man weiß, dass andere sich auch damit befassen und die man fragen kann.

  3. @lol

    Auch von mir ein dickes Dankeschön an dich und die anderen Offline-Stduenten für Eure guten und interessanten Ausführungen. Das bringt mich natürlich jetzt in Versuchung den Grundlagentext zum Thema nicht mehr zu Ende zu lesen. Bin nämlich, wie Walter auch so ein Lümmel von der letzten Bank… ;-)

    Bisher kannte ich Skripte nur aus der Informatik und hatte den Begriff Kollaborationsskripte bis jetzt nicht in meinem Repertoire…

    @Walter (von einem Hinterbänkler zum Anderen):

    Wo steht, dass ein Skript Wissen ist? Hab grad nicht aufgepasst ;)

    Repräsentation = Repräsentationsformat, denke ich. (s. Skript-Komponenten nach Kollar et al weiter oben im Text)

  4. @Boris: Hab ich doch gerne gemacht.

    @Walter: sorry, dass ich mich erst jetzt melde. Ich hab mich da etwas unscharf ausgedrückt. Mit Repräsentationsformat ist ganz platt die art und weise gemeint, auf die etwas dargestellt wird (also text, bild, graphik etc.). Die ‘Repräsentation’ im Gehirn ist ein mentales Abbild der Umwelt (wird manchmal auch mentales modell genannt) und entspricht unserem Wissen über Handlungen/Objekte etc. Ich hoffe das macht es etwas klarer. Die Kognitionspsychologen benutzen diesen Begriff, um eigentlich schwer messbare Vorgänge zu beschreiben.

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